Bericht Winterlager 2011

 

bei Philomena Außerlechner in Kartitsch

 

13.2. (SO)

 

Planmäßig fahren alle durchs Pustertal in Richtung Osttirol. Da wir nicht zum Vergnügen hier sind, ist die Anfahrt mit einer kleinen Schitour (ca. 2.5 h) in der Nähe des Pragser Wildsees garniert (Gegend Hohe Gaisl). Nur unsere beiden Babsis und beiden Sabrinas ziehen das Gasthaus vor und ziehen sich einiges an Kuchen etc. hinein – ein Fehler, wie sich noch zeigen sollte. Gemütlich führt der Forstweg zum unteren Talschluss, dann steilt es sich auf. Wir scheuchen einen schneeweißen Schneehasen auf. Über eine „Piste“ und dann am Saumweg steigen wir höher. Rudl wandert bis zu einem markanten Stein, einige weiter zur Roßalm, einige links hinauf bis zu einem Plateaurand und Nebelgrenze. Franz macht gestochen scharfe Fotos von Schneekristallen und bei der Abfahrt einen lupenreinen Salto. Im Gasthof beim Parkplatz trifft sich alles. Manch einer ißt einiges, wie erwähnt ein Fehler. Die Fahrt geht weiter, wir erreichen Sillian. Ich kann die weit über die Grenzen hinaus bekannte Diskothek „Ranch“ von der Hauptstraße aus leider nicht entdecken. Schließlich angekommen in Kartitsch, fahren wir bei der Kirche hinunter und über die Brücke rechts zum Außerlechner. Die Wirtin und ihr Sohn bereiten uns einen Empfang mit super Kaffee, Himbeer-Zitronentee und extrem guten, großen Tortenstücken mit 11 Lagen (eine Art Schwarzwälder-Kirsch) !! Die Zimmereinteilung erfolgt problemlos, und alle werden als „Nach-der-Tour-Duscher“ enttarnt.

            Unser Magen-Darmtrakt wird abends im Dolomitenhof weiterhin sowohl verwöhnt als auch gefordert. Es gibt Salatbuffet, viel Suppe, viel Hauptspeise und – japs – noch eine Nachspeise, alles sehr gut !

 

14.2. (MO)

 

Es ist schönes Wetter, wie angesagt ! Daher zieht es alle um 7:00 h aus den Federn. Der Bauch ist noch voll vom Abendessen, und schon wartet ein königliches Frühstück auf uns mit Schwarzbrot, Semmeln, Marmelade, Schinken und einige Wurstsorten, in richtiger Größe geschnittener Käse, gekochtes Ei, verschiedenen Teesorten und Kaffee. Tourentee und –jause nach Wahl ist inbegriffen ! Bis auf Sabrina, die an einem sehr lästigen grippalen Infekt leidet und daher in der Pension bleiben muß, fahren wir 3 km nach Hollbruck mit seiner imposanten Wallfahrtskirche und starten zur Ochsenalm. Zunächst geht es über mehr als eine halbe Stunde flach hinein, bevor wir – wie gewohnt – die direkte und schnellere Linie entlang dem Bachbett wählen. Niemand landet im Bach, weil es sich bei uns um Profis handelt. Links erhaben über dem Plateau des Talschlusses duckt sich die Ochsenalm lawinensicher in den Hang. Wir halten uns rechts und gelangen bald in die sonnigen Osthänge, die uns oben über mehrere Buckel auf die Hollbrucker Spitze, 2580m, eigentlich dreigipfelig, führen. Ich erwische zuerst den linken Gipfel mit herrlichem Blick auf die nahen Sextener Dolomiten, Dreischusterspitze, 3 Zinnen etc. Weiter geht’s unter dem Mittelgipfel vorbei, wo es sich ein Pärchen sehr gemütlich gemacht hat, auf den Nordgipfel, wo das Kreuz steht. Dieses hat das W drinnen und gleicht daher dem Berglegionszeichen ! Ein schmaler Grat mit einer kurzen steilen Firnpassage führt interessant dorthin. Die Fernsicht ist gewaltig, das Swarovski-Fernglas rentiert sich. Ins Gipfelbuch kommt ein Legionspickerl, damit die Osttiroler merken, dass Nordtiroler auch auf ihre Berge kommen und keine „Gipfelgrat-Scheuer“ sind. Gabi – heute in Topform – und Cilly steigen ebenfalls noch zum Kreuz, während sich alle anderen im Windschatten an einem Sonnenplatzl mit grasiger Rückenlehne in der Sonne aalen und Kekse mampfen. Die Abfahrt bereitet uns einen raschen Wechsel verschiedenster Schneequalitäten. Diz schreibt, angeblich erstmalig, ins Tourenbuch: „Schneequalität fürchterlich“. Wir finden als ausgekochte Schlitzohren dennoch den besten Weg, entweder im Firn oder in etwas gepresstem Pulver oder auf tragfähigem Harschdeckel. Interessanterweise ist der Schnee weiter unten besser auf den Rücken (grießiger Pulver) als in den Mulden (Bruchharsch). Die Kondition paßt bei allen hervorragend. Erst am langen Forstweg spürt Annelies ein wenig die Oberschenkel.

            Bei der Rückfahrt mit dem Auto möchte Franz ganz schlau den Weg abkürzen. Über weglose Wiesen wäre allerdings nur eine Pistenraupe zielführend gewesen und nicht sein PKW. Gott sei Dank hat er sich von seinem Bauchweh soweit erholt. Anders Sabrina, die leider von ihrer Mutter abgeholt werden muß, um sich zu Hause noch einige Tage zu erholen. Wir werden sie zum Trost zu den kommenden Legionstouren einladen, sicher wieder im Traumpulver. Die Jause ist phänomenal wie am Vortag.

Unser Magen-Darmtrakt wird abends im Dolomitenhof sowohl verwöhnt, als auch gefordert... – viel und extrem gut ! Nach dem Abendessen zeigt Inge ca. 200 Dias aus den früheren Zeiten der Berglegion, z.B. vom Lager Richterhütte. Alle freuen sich sehr darüber und erinnern sich an die alten Zeiten.

 

15.2. (DI)

 

Am Vortag wurde bereits intensiv überlegt, ob der markante Gipfel Eisenreich wohl zu machen wäre. Kriterium ist die Talstufe, wo aber laut Karte ein gut markierter Weg durch das steile Gelände durchführt. Cilly und ich wollen dies probieren. Die anderen gehen auf die Südseite, wo sie auf Firn hoffen, was aber nicht sicher ist und wo man zudem nicht weiß, wie weit man mit dem Auto hinaufkommt. Jede Tour für heute hat also einen gewissen Haken, ein Berglegionär braucht ohnehin einen Nervenkitzel zur Zufriedenheit.

            Cilly und ich wandern ins fast ebene Winklertal. Kurz vor der besagten Talstufe steigt der Weg rechts hinauf an. Nach uns kommen einige Eiskletterer, die den ideal gegliederten Eisfall angehen. Unter der Felswand sehen wir den Weg durch die Wand queren, der zum Teil sicherlich herausgesprengt wurde. Geht wahrscheinlich locker. Die Harscheisen haben wir jedenfalls mit, weil unsere Pensionswirtin gesagt hat, dass Leute mit „Steigeisen“ da hinauf gegangen seien. Nach einigen Serpentinen gelangen wir zum Wandabschnitt. Tatsächlich führt ein Weg durch, sogar mit Geländer. Das Interessante ist nur, dass überall meterweise Schnee von früheren Rutschen drinnen liegt und das Geländer dadurch z.T. nicht erreichbar oder gar nicht sichtbar ist. Um dorthin zu kommen, müssen wir eine steile Rinne queren. Einige frühere Stapfen sind zu sehen, und wir hacken sie etwas aus mit unseren Schischuhen. Für brave Leute ist das Schicksal gnädig, und bereitet uns dort eine Schneedecke mit kompaktem Harschdeckel, sodass wir dankend mit den Schienden hervorragende Griffe herausstanzen und ganz sicher hinüberkommen. Es bleibt rassig, gleich folgen zwei Stellen zum Durchrobben unter dem Felsendach – typische Männerfreuden. Konzentriert gehen wir weiter, reichen uns Schi und Stöcke an manchen Stellen weiter, benützen alle Hilfsmittel inklusive dicke Latschen und können 100m später wieder mit unseren Schiern weitergehen. Eine Hennensteige folgt noch, und bald sind wir oben bei der Prinz-Heinrich-Kapelle.

            Der Schweiß hat sich gelohnt, es öffnet sich ein wunderschönes Plateau vor uns – und ein herrliches Schitourengelände in alle Richtungen. Nach kurzer Rast in der Sonne wagen wir uns an die folgenden 700 Hm Spurarbeit in grießigem oder verharschtem Schnee. Angesichts der zu erwartenden tollen Abfahrt im unverspurten „Grießpulver“ vergessen wir die Mühen und wechseln uns bei der Spurarbeit ab. Die letzten 150 m am Ostgrat (eigentlich mehr eine Flanke) ist es leider neblig, aber wir erreichen nach insgesamt 4 h Gehzeit den Gipfel des Eisenreich 2665m. Hinter einem Felsen ist es halbwegs windstill zum Jausnen.

            Und jetzt kommt das Beste und die Belohnung – gut 500 Hm Pulver über einen Buckel nach dem anderen. Professionell umfahren wir die Harschpassagen, sodass 2 einsame Wedelspuren übrig bleiben. Vom Rastplatz bei der Kapelle können wir sie mit einem inneren Gefühl der Zufriedenheit noch einmal ausgiebig beobachten. Der mittlerweile bekannte Abstieg durch die Steilpassage ist nur mehr lässig und bereitet bei konzentriertem Abfahren bzw. – gehen keine Probleme mehr, zumal unsere perfekt gesetzten Henkel ja bereits vorhanden sind. Im unteren Taldrittel nehmen wir einen Forstweg, der noch nicht in der Karte eingezeichnet ist. Dadurch gelangen wir relativ hoch hinaus und können dafür die ideal aufgefirnten Wiesenhänge zur Pension hinunterwedeln. Dort werde wir – erraten – mit Kaffee und Traumkuchen erwartet.

            Die anderen Tourenkameradschaften sind wie geplant von St. Oswald die Piste hinauf zum Dorfberg 2114m gegangen, wo sie eine perfekte Pistenabfahrt vorfanden, bzw. in Abänderung des Programmes auf den Hohen Bösring 2324m mit interessantem, 40 Grad steilen Gipfelhang, ebenfalls sehr schön !

            Unser Magen-Darmtrakt wird abends im Dolomitenhof sowohl verwöhnt, als auch gefordert... – viel und extrem gut ! Da unsere Zwillinge Barbara und Christine heute Geburtstag haben, hat der Herr Papa als Draufgabe noch zwei Torten auf Lager, von denen wenigstens eine noch japsend gegessen wird. Wir gratulieren herzlich zum Geburtstag und stoßen darauf an.

 

16.2. (MI)

 

Da das Wetter heute trüber aussieht, gehen wir eine kürzere Tour über 800 Hm auf die Öfenspitz 2334m mit Damen ! (Gabi, Tine, Babsi S., Cilly, Markus). In der Tourenbeschreibung steht, dass es beim „Bergansatz“ rechts weiter geht. Was das heißen soll, wissen wir nicht genau, finden aber einen gespurten Weg durch den Wald hinauf. Nach 1.5 h erreichen wir das „Seeland“ mit schütteren Bäumen, die im Nebel Orientierung bieten, und steigen noch einige Hänge weiter. An einem Grat, vermutlich nicht weit vom Gipfel entfernt, wird es dann harschig und felsig. Cilly wartet etwas weiter unten mit der tapferen Babsi, und Gabi folgt Tine und mir nach. Da die Sicht praktisch nicht vorhanden ist und ein Höherstapfen zum Gipfel nicht gar so viel gebracht hätte, drehen wir um. Beim Ausziehen des ersten Schis zum Abfellen merke ich, dass ich auf einem großen Loch zwischen Steinen stehe und bewege mich zwei Schritte vor auf sicheren Boden. Das Loch eignet sich aber hervorragend als Toilette.

            Die Hänge bieten guten Pulverschnee, weiter unten leider mit zu vielen alten Spuren drin, bis wir schließlich den Forstweg erreichen. Der wurde vom hiesigen Fremdenverkehrsverband super hergerichtet – brettleben ohne Mugel und heute überzogen von 5 cm frischem Pulver. Dies beschert uns optimalen Wedelgenuss über viele 100 Meter bis zum Auto – einfach himmlisch !

            Nach dieser kürzeren Tour steht ein richtiger Wellness-Nachmittag bevor ! Zuerst wieder Magentraining mit hervorragendem Kaffee und Kuchen und dann ein Saunabesuch im Sonnenhof. Gabi beweist ihre hausfraulichen Qualitäten, indem sie es mit großer Geschicklichkeit schafft, die Kuchenstücke immer stehend auf die Teller der gierigen Berglegionäre zu bringen.

            In der Sauna wird zunächst gemäß Hygieneregeln geduscht. Mehrere Duschen stehen zur Auswahl, aber nur eine warme, unter der Gabi steht. Gemäß meinem Forscherdrang und frei von jedem Hintergedanken probiere ich alle Wasseranschlüsse aus. Plötzlich heult Gabi heftig auf. Ich habe offenbar die Stereodusche aufgedreht, welche sie mit starkem, kaltem Strahl quer durch den Duschraum erwischt hat. Macht nichts, in der Saunakammer wird in Kürze kräftig geschwitzt. Sogar die kalten Füße von Christine tauen auf, obwohl sie gar nicht auf Cillys Bauch gelagert werden wie vorgeschlagen. Nach einer Ruhepause mit Orangen von Babsi Z. und Cilly wird erneut geschwitzt. Christine erzählt uns von ihren Jeans, welche immer an dem Knie abgewetzt sind, mit dem sie beim Hinknien den Boden berührt. Auf die Frage, ob das bei uns auch so wäre, antwortet Gabi, dass sie es seit ihren Schwangerschaften immer so mache, dass sie sich beim Bücken mit beiden Knien hinhocke. Worauf Rudl meint, da könne er nicht mitreden, weil er ja keine Schwangerschaft kenne (reckt dabei seinen Bier(?)-Bauch deutlich nach vorne !!) – worauf sich die Damen noch mehr als die Herren abhauen. Spätestens beim dritten Aufguss von Cilly lobt Gabi „Cilly, Deine Aufgüsse sind wunderbar!“

            Unser Magen-Darmtrakt wird abends im Dolomitenhof sowohl verwöhnt, als auch gefordert... – viel und extrem gut !

            Als Abendprogramm biete ich die drei Balladen für die heurige Axamer Faschingszeitung und die Fotos vom Steingrubenkogel in den Kalkkögeln vom Oktober. Cilly zeigt noch Bilder vom Künstler M.C. Escher, der eine ganz eigene, tolle Lithographie- und Holzschnittkunst hervorbrachte. Ein ausgiebiger Watter (Rudl und Walter gegen Cilly und Markus) mit großen Sprüchen rundet den Abend ab.

 

17.2. (DO)

 

Endlich hat es über Nacht die richtige Menge geschneit, und die Landschaft ist mit 20-40 cm frischem, weichem, staubigem Pulverschnee überzogen. Fast die gesamte Mannschaft geht auf die Öfenspitz 2334m und genießt diese Verhältnisse. Besondere Vorkommnisse: Nina küsst einen Baum („Es war gerade kein Mann zum Küssen da, da habe ich halt einen Baum genommen“), was Gott sei Dank ohne gröbere Folgen bleibt. Und Rudl verschwindet hinter einem Baumstamm in einem Loch, aus dem er nur mit Babsis Hilfe herauskommt.

            Cilly und ich gehen alleine auf den Hohen Bösring 2324. Erwin hätte fast mitgehen müssen, weil er mit dem Auto am Parkplatz zur Öfenspitz glatt vorbeigefahren ist, hart bedrängt von einem braunen BMW hinter ihm, und erst nach einigen 100 Metern einen Platz zum Umdrehen findet. Beim Weggehen vermuten wir, dass es eine lange Tour werden wird, weil in 30- 40 cm tiefem Pulver zu spuren ist. Cilly spurt los in der wunderbar verschneiten Landschaft. Nach 20 min holt uns – als ein Zeichen von oben (?) - ein durchtrainierter Bergrettungsmann ein und meint: „Jetzt habe ich gehofft, diese Tour spuren zu können, aber schon wieder ist jemand vor mir.“ Wir gönnen ihm gerne die Freude und lassen ihm den Vortritt. Wir können ihm hintendrein kaum folgen und kommen so sehr schnell vorwärts, sicher 500-600 Hm pro Stunde ! So erreichen wir noch am Vormittag im Nebel den Gipfel. Die Pulverabfahrt ist genauso, wie es sich ein Tourengeher bei diesen Verhältnissen (30-40 cm frischer Pulver) vorstellt – wir werden Schneemänner, obwohl niemand stürzt. Bei einem netten Stadel jausnen wir, und dann geht es weiter im Zicke-Zacke bis zum Auto. Die Sitzheizung in Walters Auto leistet gute Dienste, bei Stufe 3 ist die Nachkommenschaft aber derart gefährdet, dass wir nach 3 min gerne auf Stufe 1 zurückdrehen.

            Der Nachmittagskuchen ist heute redlich verdient. Es wird der Vorschlag geäußert, dass in zukünftigen Lagern diese Einrichtung beibehalten werden sollte. Falls es nicht von den Wirtsleuten aus möglich sein sollte, könnten die Damen für jeden Tag einen Kuchen backen, und der beste könnte prämiert werden. Darüber kann noch keine Einstimmigkeit erzielt werden, sodass dieses Thema vertagt werden muß. Der weitere Nachmittag verläuft gemütlich, zum Teil aber äußerst aufregend beim Watten, wobei es ganz spannend und knapp hergeht (Walter mit Rudl gegen Cilly und Markus).

Unser Magen-Darmtrakt wird abends im Dolomitenhof sowohl verwöhnt, als auch gefordert... – viel und extrem gut ! Bei Spaghetti und/oder Schweinsbraten werden wieder alle mehr als satt. Zunächst wenig spannend geht’s dann weiter mit Watten, als Walter und ich gegen Gabi und Cilly bestenfalls mit einem Blinden und niedrigen Trumpf in der ersten Runde nicht viel zu bieten haben. Nach hartem Kampf in den beiden folgenden Runden können wir Gott sei Dank ausgleichen, sodass alle einigermaßen ruhig schlafen können. Nur Gabi grübelt darüber nach, ob sie am nächsten Tag die lange oder kurze Tour gehen soll, wie aus sicherer Quelle berichtet wird. Diz hat nämlich einen tollen Tourenvorschlag bei dem Pulver gefunden, wo man einen Gipfel überschreitet und vom zweiten dann 1000 Hm nach Osten abfahren kann. Der Haken dabei ist, dass man dabei 150 Hm unterhalb des Ausgangspunktes herauskommt und zudem von der kürzeren Tour (nur bis zum 1. Gipfel) eine schöne Wiese bis dort unten lockt. Sollen wir daher alle Autos unten stehen lassen ? Sollen wir alle hinauffahren und einer nach der Tour die 150 Hm wieder aufsteigen ? Sollen wir mit 2 Autos hinauf fahren und 2 herunten lassen ? Oder sollen wir ein Auto herunten lassen ? Wenn ja, welches ? – Mindestens 15-minütige filmreife Diskussion ohne konkretes Ergebnis… Man einigt sich aber darauf, pünktlich aufzustehen, weil schönes Wetter angesagt ist.

 

18.2. (FR)

 

Das Wetter ist tatsächlich super ! Alle springen tourengierig aus den Betten und erfreuen sich am Frühstück (sehr gut und üppig wie üblich). Walter spricht die morgendlichen besinnlichen Worte zu uns und dann über die Tour: Aufstieg von Tiefenbach bei Maria Luggau zum Schwalbenkofel 2159m (900 Hm) und dann ev. weiter zur Schulter Höhe 2424m mit Abfahrt wie am Aufstieg oder nach Osten ins Ebnertal. Der Haken an der Geschichte: Sollen wir alle mit den Autos hinauffahren oder nicht, mit allen Autos oder eines herunten lassen etc. - Mindestens 10-minütige filmreife Diskussion, die Diz dank seiner Autorität beenden kann. Wir lassen ein Auto herunten und fahren alle mit den restlichen Autos hinauf. Das zweite Problem, wer mit Cilly und mir mitgeht zum zweiten Gipfel, können wir schließlich mit gutem Zureden und mit der Unterstützung von Walter, der sich auch bereiterklärt mitzugehen, lösen, sodass Gabi und Christine sich uns anschließen.

            Nach Klärung aller dieser entscheidenden Fragen wird es eine wunderbare Tour durch den frisch und tief verschneiten Wald. Irgendwelche Spitzensportler haben bereits gespurt, und wir kommen gut voran. Wir hoffen nur, nicht voll von den Baumlawinen getroffen zu werden, was größtenteils gelingt. Auch Babsi und Rudl entkommen dieser Gefahr durch viel Geschick, haben aber nicht mit der Schneefräse gerechnet, die sich den Forstweg hocharbeitet. Sie befinden sich im falschen Moment am falschen Platz und werden ordentlich eingeschneit ! Bei der hohen Temperatur und dem Sonnenschein trocknen sie bald wieder. Ober Holz sehen wir phantastische wabenartige Windgangeln und sind bald am Schwalbenkofel. Leider hat der Wind ausgiebig gearbeitet, und es wird immer wärmer, sodass nach kurzer Beobachtung des Überganges zur Schulter Höhe inklusive Fernglas der Weitermarsch abgeblasen wird („Vorort-Entscheider“). Wir wollen ja nicht bei Christine auf der Intensivstation landen.

            Die Abfahrt im tiefen Pulver wird sehr lustig. In flachen Stücken bleibt man stecken, in steilen Hängen muß man aufpassen, dass es einen nicht aushebelt. Trotzdem stürzen sich alle mutig hinunter. Nina hat einen fotographisch festgehaltenen sehenswerten „Sitzer“ genau vor dem nächsten Rastplatz in der Nähe der Schwenderecke. Auf perfekt gebauten Sitzen mit Rückenlehne machen wir es uns gemütlich, bis Cilly herunterkommt, der –heute bisher völlig unterfordert - noch einmal aufgestiegen ist. Walter in seinem Übermut deckt uns mit Schneelawinen ein, bevor wir aufbrechen. Es kommt noch zu einer abenteuerlicher Abfahrt auf Hohlwegen im Wald, manchmal unterbrochen durch querliegende Baumstämme, unter denen wir durchkriechen müssen. Walter macht dies mit besonders ausgefeilter Technik – siehe Foto. Auch Rudl hat einen einfädelnden Kontakt mit Holz am Forstweg. Die letzten 150 Hm auf der Wiese, die nur mehr ein Teil befährt, erweisen sich zunächst als pappige Querung mit durchaus als positiv empfundenen Kalorienverbrauch, dann aber als – unter einigem Kraftaufwand – wedelbarer Hang.

            Die verlorenen Kalorien werden bei Kaffee und diesmal gleich zwei verschiedenen Tortenstücken (!!) rasch wieder aufgeholt. Einige versuchen sie in der Sauna wieder loszuwerden, was aber wenig nützt, weil das Abendessen erneut gnadenlos wird. Christine hat in unendlichem Fleiß mit Hilfe von Diz von allen die schönsten Fotos dieser Woche gesammelt und geordnet. Sie zeigt sie an diesem Abend zur großen Freude aller.

 

19.2. (SA)

 

Am letzten Tag gönnen wir uns – nach üppigem Frühstück - vor der Abfahrt noch eine kürzere letzte Tour direkt von der Pension zum Schustereck im nahen Schustertal und ev. Weißen Knoten 2202m.

Wir benötigen praktischerweise und umweltschonend kein Auto und marschieren direkt von der Pension weg über Wiesen und eine nahe Schipiste zum Forstweg ins Schustertal. Das Tal ist bereits gespurt und eben, sodass wir gut vorankommen. Der Schatten im Tal paßt einigen wie mir gut, andere klagen darüber und sehnen die Sonne herbei. Zur Alm über dem unteren Talboden zieht sich der Weg recht steil hinauf. Es ist aber besser, gerade zu gehen als 200 Spitzkehren auf den Forstweg hinzulegen. Gabi hätte eine super Idee für eine Alternativtour: Wenig unterhalb eines steilen Felsgipfels befindet sich eine auffällige riesige glatte Felsplatte (l x b = ca. 150 x 50 m), ca. 40-45° steil. Die wäre toll zu befahren, und darunter gäbe es noch einen ebenso steilen Hang bis ins Tal herunter. Weil wir es heute gemütlicher angehen wollen, verzichten wir ausnahmsweise darauf. Bei der Alm ist es noch schattig, und wir warten lieber zusammen für die Rast einige Meter oberhalb in der Sonne („Sonnenraster“).

            Allen gefällt es dort sehr gut, und Rudl öffnet seinen großen Jausenkorb. Wir meinen im ersten Moment, dass er seine Hauskatze oder ein Meerschweinchen da drinnen hat, dem ist aber nicht so. Nachdem sich alle gestärkt und gerastet haben, locken uns viel mehr die schattigen Hänge als der sonnenbeschienene Aufstieg zum Weißen Knoten. Alte Spuren verheißen Gutes. Also spuren wir in Respektabstand vor den sonnigen Steilhängen zum Kamm und queren einen Schattenhang im weichen, lockeren Pulver.

            Oben öffnet sich ein wunderschönes Hochplateau, umgeben von einer eindrucksvollen Bergkulisse. Was gibt es hier zunächst zu tun ? – Erraten, eine nächste Rast an einem windgeschützten Sonnenplatz. Es gibt aber noch etwas zu tun: Für die in der Sonne Liegenden („Sonnenbader“) muß optisch etwas geboten werden ! Das verlangt einfach der Anstand. Dafür bietet ein langer Hang zur Linken mit offenbar optimalem Wedelschnee Gelegenheit. Das schaue ich mir in der Nähe an und spure weiter über das herrliche Hochplateau, gelange an dessen Ende wieder in den Schatten und gehe in Serpentinen den Hang hinauf. Das Spuren ist gar nicht so schwierig, denn der Schnee ist weich und locker, und gleichzeitig im Untergrund fest genug, um nicht zu tief einzusinken. Die Kulisse unter den Spitzen ist traumhaft, und nach ca. 250 Hm mache ich Halt, wir müssen heute ja noch nach Hause. Unten wird mein Stoppen bemerkt, und Cilly gibt den Sonnenbadern das Zeichen zum Herrichten für die Abfahrt, was aber nicht beachtet wird, weil man ahnt, dass etwas geboten wird in den nächsten 2-3 Minuten.

            Herunter mit den Fellen, Jacke an, Schuhe festgeschnallt, noch einmal ein Rundblick genossen, bereit für die Abfahrt über einen vermutlich traumhaften Hang. Schon die ersten Meter beweisen, dass die Vermutung mehr als stimmt ! Das gleichmäßige Schwingen geht sehr einfach, das Gefühl entspricht einem Hin- und Her-Schweben. Sofort wird klar, dass ein Absetzen der Schwünge zum Ausrasten nicht notwendig sein wird, und so führt bald eine einsame, ununterbrochene, harmonische Wedelspur den gesamten Hang hinunter. Ein paar letzte Schwünge im flachen untersten Teil zum Becken, und wie im Traum nehme ich etwas Schwung mit, um über das ebene Becken zu kommen. Dass man heutzutage so etwas noch erleben darf !

            Staunend richten sich alle für die Abfahrt her, denn sie erwartet Ähnliches im nächsten Hang – der Aufstieg hat sich rentiert ! Diz steigt noch 30 m über den Rastplatz und fährt einen kleinen Steilhang hinunter, ein Pulverschneerütschchen hinter sich lassend. Johlend schwingen alle den Super-Hang bis zur Alm hinunter. Noch nicht genug vom Pulver, versucht man sich nach mehr oder weniger abenteuerlicher Bachquerung auf der anderen Seite zwischen einigen Stauden. Besonders kühn ist die Route von Annelies, die in hauchdünner Nähe des Baches über große Steine hinunterkurvt, so dass einem schon beim Zusehen ganz anders wird. Sie hat die Route schon beim Aufstieg ganz genau ausgetüftelt und kommt ohne größere Probleme hinunter („Abfahrtsroute-schon-beim-Aufstieg-Austüftlerin“). Noch einige kurze schöne Pulverhänge kommen, dann nützen wir noch den Pulver mehr oder weniger im Bachbett aus („Bachbett-Schifahrer“). Auf der glatten Spur gelangen wir rasch talauswärts, wobei wir eine Maus auf der Schispur als Tierliebhaber überleben lassen. Babsi und Rudl werden nach ihrer tollen Leistung die letzten Meter mit dem Auto zurückgeführt.

            Walter hat auf Einflüsterung von Cilly unsere Wirtin gebeten, uns am letzten Tag vor der Abfahrt wegen des großen Erfolges noch einmal einen Kaffee und Kuchen zu bereiten. Eine exzellente Idee – der Kuchen ist wieder 11-lagig und schmeckt himmlisch - und ein Riesendank an die Wirtin für das tägliche Superfrühstück und die tägliche Kaffeejause, beides mit viel Liebe zubereitet ! Glücklich und erholt, mit gut trainierten Muskeln und vielbeschäftigtem Magen-Darm-Trakt begeben wir uns auf die Heimreise. Vor Toblach steht eine Kolonne wegen einer Ampel, dann geht es zügig dahin, und der Schnee wird bis Innsbruck immer weniger. Bis auf einen kleinen Kratzer von Walter von der Lampe im Frühstücksraum (kein Witz !) und einer leichten Brustprellung von Rudl bei seinem Brezen gab es keine Verletzungen, und alle kommen glücklich zu Hause an.

 

Schi Heil

Markus